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Lebensqualität für's Humankapital

Universitäten als Dienstleister für die wachsende Stadt

"Die Einkommens- und Beschäftigungschancen einer Region sind in hohem Maße von der
Humankapitalausstattung abhängig. Die Akkumulation von Humankapital wird zunehmend
zu einem treibenden Faktor des wirtschaftlichen Wachstums."


Leitbild: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt

Hochschulen sollen der "treibende Motor für die Metropolentwicklung" werden. Allein der Bedarf der Hamburger Wirtschaft an schnell verwertbaren Absolventen im Jahr 2012 soll Maßstab für die Hochschulentwicklung sein. Die "Dohnanyi-Kommission" stützt ihre "Strukturempfehlungen" explizit auf das Senatspapier "Leitbild: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt", dass die "Zukunftsvision" des Rechtssenates für Hamburg zeichnet. Darin wird festgestellt, dass gepflegte Grünanlagen für die internationale Konkurrenzfähigkeit alleine nicht ausreichen. Damit die Wirtschaft wächst muss die Stadt wachsen - so soll Hamburg in die "Spitzengruppe internationaler Metropolen" aufsteigen. Deshalb garantiert die Stadt für die optimalen Verwertungsmöglichkeiten am Wirtschaftsstandort, dass die Bestimmung der sozialen und kulturellen Lebensbedingungen der Selektion des Marktes übergeben werden. Gewinnversprechend für die "Wachsende Stadt" seien die Bereiche Nanotechnologie, Lebenswissenschaften, IT/Medien, Luftfahrt, Hafen/Logistik, Welthandel/China, die als "Kompetenz-Cluster" besondere staatliche Zuwendung erfahren sollen. So soll z.B. eine "Task Force China" für die "Clusterverwurzelung" in Hamburg sorgen, damit von den wachsenden Handelsströmen profitiert werden kann. Geplant sind ein China-Zentrum in der Hafencity, Förderung des Tourismus aus China und die Hochschulen sollen ihre Austauschprogramme intensivieren. Damit entstehe ein angenehmes Lebensgefühl und ein echter Konkurrenzvorteil um's kaprizöse Humankapital.

Dabei ist die "Qualitätsoffensive" für die Hochschulen ein zentraler Bestandteil des Konzeptes "Wachsende Stadt". Wissenschaft im alleinigen Dienste der Wirtschaft werde durch die Zerschlagung der Universität in "schools" und die Einführung von Studiengebühren möglich. Nicht mehr die demokratische Bestimmung aller Universitätsmitglieder über die Bedingungen und Inhalte von Forschung und Lehre soll realisiert, sondern allein das schnell konsumierbare, für die Wirtschaft Profitable soll andressiert werden.

Richtig ist, dass Hochschulen ein zentraler Ort gesellschaftlicher Entwicklung sind und dafür zunehmend an Bedeutung gewinnen. Positiv können Bildung und Wissenschaft die Gesellschaftsentwicklung befördern, wenn sie sich an aktuellen Menschheitsproblemen orientieren und an deren Lösung mitwirken.

Eine angemessene Frage wäre zum Beispiel diejenige, warum sich die Nationen der 'Ersten Welt' gänzlich uneigennützig darin überbieten, eine Kopie ihres offensichtlich krisenhaften Wirtschaftsmodells auf Länder wie China oder Indien zu übertragen und wie dem entgegen die friedliche Lösung von Konflikten sowie eine gerechte Verteilung und kooperative Erweiterung des gesellschaftlichen Reichtums zu befördern wäre. Eine umfassende Demokratisierung des Wissenschaftsprozesses und der Bildungs- und Wissenschaftsinhalte und somit der gesellschaftlichen Entwicklung zu verwirklichen, bedeutetet auch, dass alle Menschen über die Mittel zur sozialen Bedürfnisbefriedigung verfügen und somit auch selbst die eigene 'Lebensqualität' in der Hand haben.

Dafür gilt es jetzt und im kommenden Semester als Studierende gemeinsam mit Professoren, wissenschaftlichen Angestellten sowie Technischem und Verwaltungspersonal entschieden zu kämpfen - d.h. die Pläne des Rechtssenates zurückzuweisen und die eigenen Maßstäbe zur Geltung zu bringen.

V.i.S.d.P.: Niels Kreller, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: juso-hochschulgruppe & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Freitag, den 21. Februar 2003, http://www.harte--zeiten.de/artikel_37.html