Jörg Dräger, Wissenschaftssenator (was eine Zuständigkeit und keine Qualifikation ist), beklagt, die Studienfinanzierung sei heute "sozial ungerecht". Alle sollten jährlich 2500 Euro blechen, ein Drittel der Studierenden solle stipendienfinanziert werden; angelehnt an amerikanische Modelle sei der Anteil der Studierenden aus "sozial schwachen" Schichten zu erhöhen. Der Rest könne Bankkredite erhalten und nach Abschluss rückzahlen. Immer rauf mit dem Regen!?
Der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Unterwerfung ist nun aber folgender: Gerecht ist, wenn alle (trotz unterschiedlicher Voraussetzungen, Ansprüche und Auffassungen) gleiche, möglichst gute Bedingungen erhalten... zum Beispiel zum und beim Studieren. Unterwerfung ist, wenn die Mehrheit unter hohem sozialen Druck gegen ein hohles Sicherheitsversprechen dazu gepresst wird, die Anforderungen Weniger zu erfüllen... zum Beispiel, wenn man nur solange kostenfrei studieren kann, solange man die "Leistungsanforderungen" finanzstarker Stipendiengeber erfüllt, die fremdbestimmten Kriterien für ein "erfolgreiches Studium" mit Bravour meistert oder zumindest die Basketball-Mannschaft der Uni aufwertet.
Allen wird nahe gelegt, wenn sie sich tief genug beugten, würden sie es ’mal besser haben’. Und wo ist die Haltelinie?
Knechtschaft wird nicht honoriert. Die Gebeugten laden ein, weiter gedrückt zu werden. "Leisten!" - und was? Und für wen? Für die Banken, die an den Krediten verdienen; die Unternehmen, die gehorsame Hochqualifizierte ernten; den "Standort", der so konkurrenzfähiger werde. Profitmehrendes "Humankapital". Die Rechten finden zu einer klaren Sprache. Bezahle selbst, was anderen nutzt und lächle.
Aufrechte Menschen? Umfassende Humanität? Ernsthafte Neugier? Freudvoller Erkenntnisgewinn? Interdisziplinäre Kooperation? Sinnvolle Arbeit? Demokratische Kultur? Wissenschaft?
Dagegen richtet sich die Einschüchterung. Dagegen richtet sich die Hochschulpolitik Drägers. Dagegen richtet sich die (Wissenschafts-)Politik der Unternehmervertretungen und der rechten Parteien.
Aber: Unter dem wachsenden sozialen, kulturellen und politischen Druck wird die prinzipielle Interessengleichheit derjenigen, die nicht über Kapital verfügen, spürbarer. Darauf gibt’s zwei Antworten: "Struggle!" um ja besser weg zu kommen, als die Masse (dagegen ist Russisch-Roulette risikoarm) oder die Gleichheit erkennen, durch Solidarität zur Stärke machen und die Ursachen des Drucks angreifen. Also: die Verfasste Studierendenschaft muß gesellschaftliche Opposition sein für die Umverteilung des Reichtums von Oben nach Unten, für solidarische Finanzierung öffentlicher Aufgaben, für Gerechtigkeit durch soziale Gleichheit.
Vorwärts!