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Zum Geleit XXXIX, zur abgesagten Sitzung des Akademischen Senats am 20. Dezember 2007

Wer auf Verdrängung baut, staut

1) Erstaunlicher Lebensmut
,,Mit Paddel
Frau vertrieb Weißen Hai
Sidney - Ein Weißer Hai hat nahe Bayron Bay (Australien) eine Kajakfahrerin angegriffen. Doch die britische Touristin Linda Whitehorst (52) schlug so lange mit dem Paddel um sich, bis der Hai flüchtete. ‘Er stieß das Boot um, schnappte nach meinem Bein', sagte sie. ‘Ich schlug wie von Sinnen auf ihn ein.' Am Ende trug sie nur Bißwunden am Arm davon.“

Hamburger Abendblatt, ,,Aus aller Welt“, 16.10.`07.

Aus Fahrlässigkeiten folgen oft große Gefahren, aber nichts ist unkorrigierbar. Britisch bedeutet nicht immer nur ,,vornehme“ Zurückhaltung.

2) Politik: Warum nicht?
,,Gaus: Gehen Sie davon aus, daß die Deutschen ein weniger begabtes Volk sind als andere, oder haben es Westdeutschlands Politiker nach 1945 versäumt, das politische Bewußtsein der Wählermehrheit anzuheben?
Heinemann: Wir tun uns in der Politik sicherlich schwerer als meinetwegen die Engländer, weil wir durch Jahrhunderte obrigkeitlich erzogen worden sind. Das heißt also: zu einem Hinnehmen, zu einem unkritischen Hinnehmen sogar, und zwar dessen, was eine Obrigkeit vorgibt. Sich selbst mitverantwortlich zu fühlen, selbst politisch mit einzusteigen - über Rathaus, Schule, Landes-, Bundespolitik -, selbst aktiv mitzudenken, das ist das, was uns immer noch nicht so recht gelingt.
Gaus: Sie erklären es aus der Geschichte?
Heinemann: Ja.“
Günter Gaus im Gespräch mit Gustav Heinemann am 3. Nov. 1968. Gustav Heinemann war von März 1969 bis Juli 1974 Bundespräsident der BRD.

Viele Schlußfolgerungen aus der positiven historischen Zäsur von 1945 (Entmilitarisierung, Entnazifizierung, das Brechen ökonomischer Monopole, sozialer Staat, lebendige Demokratie) sind nicht nur nicht verwirklicht, sondern werden vielfach mit sagenhaftem Eifer als Unfug denunziert.
Die Frischluft von "`68" wird springerseits zur Eiseskälte einiger verrückter Spinner umgeschrieben.
Dem ist engagiert entgegenzutreten.

3) Unbestechlichkeit
,,Ein König mag immerhin über mich herrschen; er sei mächtiger, aber besser dünke er sich nicht. Er kann mir keine so starken Gnadengelder geben, daß ich sie für wert halten sollte, Niederträchtigkeiten darum zu begehen.“
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), ,,An Mäcen“, Schriften aus dem Nachlaß.

Wenn die Oberen oder die, die sich dafür halten, sagen, es gebe nur noch Sachzwänge, sind wir sehr gefordert. Auch Zuckerbrot knirscht zwischen den Zähnen.

4) Die Heiterkeit der gemeinsamen Sache
,,Kennst du das Gefühl, das gönnerhafte, wenn du mit jemandem böse bist und ihr beide seid Masken der Unversöhnlichkeit, und nun geschieht irgend etwas Komisches, das euch beide zum Lachen zwingt - ihr wollt nicht lachen, bei Gott, nein! Dann zieht sich das Gesicht aber doch in die Breite und nimmt jenen bekannten Ausdruck an, den man am treffendsten mit ‘Saures Grinsen' bezeichnen könnte.“
Wolfgang Borchert, "Die Hundeblume", 1946.

Mit dem "Land, wo die Zitronen blüh`n", war kein Ort der Bitterkeit gemeint.
Die gemeinsame Sache ist die Humanität. Über ihre Verwirklichung sollte kein Streit gefürchtet werden. (Selbst an bitteren Orten ist Heiterkeit nicht unmöglich.)
Die ungebrochene Freude sei der sichere Maßstab des Gelingens.

Veröffentlicht am Dienstag, den 11. Dezember 2007, http://www.harte--zeiten.de/dokument_672.html