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His Master's Voice

Uni-Präsident Lüthje eilt der Externen Kommission voraus

"Auf diese Weise [durch Ziel- und Leistungsvereinbarungen] entsteht ein dynamisch rückgekoppelter Prozess der Universitätsentwicklung, der die politisch-strategischen Impulse des Staates durch autonomes Handeln der Universität und der Fachbereiche aufnimmt und ausgestaltet."

(Aus "Entwicklungen und Perspektiven der Universität Hamburg", Sogenannte 'Selbstdarstellung' der Universität für die Externe Gutachterkommission)

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Uni-Präsident Lüthje lauscht Dräger

"Dynamisch" und "rückgekoppelt" setzt - ganz autonom - die Universität also die "politisch-strategischen" Vorstellungen der rechtesten Landesregierung der Republik um. So beschreibt ohne jeden kritischen Unterton zumindest Uni-Präsident Lüthje die aktuelle Lage in einer "Selbstdarstellung" der Universität. Diese hat er im Sommer erarbeitet und, ohne sie den akademischen Gremien zur Beratung zu geben, der vom Rechtssenat eingesetzten Externen Gutachterkommission vorgelegt. Die von Ex-Bürgermeister Dohnanyi geleitete Kommission - zusammengesetzt aus dem nicht ganz breiten Spektrum von Arbeitgeberverbänden über Führungskräfte der Pharmaindustrie bis hin zu Unionspolitikern - soll bis Weihnachten Vorschläge für die Neuordnung aller Hamburger Hochschulen erarbeiten.

Die Kommission ist dafür da, die vom Senat gewollte Ausrichtung der Hamburger Hochschulen an den Verwertungsinteressen der hiesigen Wirtschaft mit etwas Expertokratie zu legitimieren. Das wissend, müsste eigentlich jede Äußerung aus der Universität vor allem deutlich machen, dass der Kommission Legitimation und Kompetenz fehlen, die richtigen Reformvorschläge für die Hochschulen zu machen. Die nämlich sollten vor allem den Maßstab erfüllen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu befördern, die zum Verständnis und zur Lösung realer gesellschaftlicher Probleme beitragen.

Statt dessen empfiehlt der Präsident, die Einführung von Studiengebühren, die Senkung der Studienplatzzahlen für Studienanfänger, die Übertragung der Dienstherren- und Arbeitgeberrechte auf den Präsidenten und die stückchenweise Umwandlung der Universität in eine Stiftung etc. - also einfach die Privatisierung der Universität vermittels Salamitaktik. Haben möchte er dafür mehr Geld und weiterhin so schön viele Fächer, denn die seien auch nützlich für die Wirtschaft. Anstatt eigenes zu vertreten, werden brav Teile der Pläne von Wissenschaftssenator Dräger und seiner Kommission vorweggenommen. Inhalt und Zustandekommen dieser 'Selbstdarstellung' sollen deshalb am Donnerstag auf der Sitzung des Akademischen Senates kritisch diskutiert werden.

Von der Einheit von Lehre, Forschung und Demokratischer Selbstverwaltung, die dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ein Höchstmaß an gesellschaftlicher Relevanz zum Inhalt geben soll - keine Spur. Statt dessen wird die ab 1968 erkämpfte Demokratische Massenuni in der Lüthjeschen Darstellung darauf reduziert, man habe allein nach "quantitativen Maßgaben" den Ausbau der Universität betrieben. Dass in dieser Zeit erstmals die Universitäten in großem Umfang für Kinder aus Arbeiterfamilien zugänglich wurden, dass Wissenschaft nicht weiter im Elfenbeinturm betrieben, sondern für alle nützlich sein sollte, dass es erstmals eine umfangreiche, kritische Aufarbeitung der NS-Geschichte im üblichen Wissenschaftsbetrieb gab, dass die demokratische Beteiligung aller Hochschulmitglieder in der akademischen Selbstverwaltung erkämpft wurde - all das taucht in Lüthjes Sicht auf die Uni-Geschichte nicht auf.

Genau dieses Erkämpfte aber gilt es in der Auseinandersetzung mit dem Rechtssenat mit neuem Leben zu füllen, weiterzuentwickeln und als einen Schritt für eine soziale und demokratische Entwicklung der ganzen Gesellschaft durchzusetzen. Dies erfordert von allen viel kritisches Engagement. Beteiligt Euch also an den Vollversammlungen und an den dort oder anderswo entwickelten Aktivitäten, organisiert Euch und ergreift die Initiative!

V.i.S.d.P.: Niels Kreller, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: juso-hochschulgruppe & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Mittwoch, den 30. Oktober 2002, http://www.harte--zeiten.de/artikel_46.html