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Zum Geleit VII

Lernen.

1) Wider den Trübsinn

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"(399) Er
Auch gut! Philosophie hat eure Gefühle geläutert,
Und vor dem heitern Humor fliehet der schwarze Affekt."

Friedrich Schiller, "Xenien. Musen-Almanach 1797."

"Schwarze Affekte" werden zunehmend alltäglich. Dunkle Neigungen, deren Ursprung unbeleuchtet gelassen wird, wachsen, bestärken sich gegenseitig und prosten sich grimmig zu.
Die Feindseligkeit richtet dann sich ebenso nach außen und verkennt die gleichen Zusammenhänge der anderen.
Den Dingen auf den Grund zu gehen heißt: heller werden. Kategorisch Denkende sind bewußte Gemeinschaftswesen. Philosophie kann beste Praxis sein.

2) Die geistige Souveränität der Wahl

"Was die wahre Freiheit und den wahren Gebrauch derselben am deutlichsten charakterisiert, ist der Mißbrauch derselben." (400)
Georg Christoph Lichtenberg, "Einfälle und Bemerkungen", Heft L, 1796-1799.

Die Entscheidung nach dem bloßen Moment bedeutet die Verfehlung der humanen Souveränität. Um die Ecke zu denken statt hinter die Schule zu laufen - insonderheit bei Bedrängungen -, verschafft die Wahlder entwickelteren Möglichkeit des Handelns und des Wirkens.
Die Befreiung von Bedrängungen ist der höhere Sinn von Bewegungen.
Der Weg wird verkürzt durch die präsente Kenntnis des Ziels.

3) Verantwortung

"Die Hauptlenkerin, die uns bei der Standeswahl leiten muß, ist das Wohl der Menschheit, unsere eigne Vollendung. Man wähne nicht, diese beiden Interessen könnten sich feindlich bekämpfen, das eine müsse das andre vernichten, sondern die Natur des Menschen ist so eingerichtet, daß er seine Vervollkommnung nur erreichen kann, wenn er für die Vollendung, für das Wohl seiner Mitwelt wirkt.
Wenn er nur für sich selbst schafft, kann er wohl ein berühmter Gelehrter, ein großer Weiser, ein ausgezeichneter Dichter, aber nie ein vollendeter, wahrhaft großer Mensch sein."

Karl Marx, "Betrachtung eines Jünglings bei der Wahl eines Berufes" (Abiturientenarbeit - Deutscher Aufsatz), August 1835.

Marx war vor 170 Jahren 17 Jahre alt, als er dieses verbindliche Diktum verfaßte.
Die wirklich allgemein und besonders förderliche Einheit von Eigennutz und Gemeinnutz ist ein zugerölltes und börsentraktiertes menschliches Grundbedürfnis. Hier setzt der aussichtsreiche Mut der Aufklärung an. Die Mühe lohnt sich.

4) Lernen.

"Trux an den Sabin
Ich hasse dich, Sabin; doch weiß ich nicht weswegen:
Genug, ich hasse dich. Am Grund ist nichts gelegen.
Antwort des Sabin
Haß mich, soviel du willst! doch wüßt ich gern, weswegen;
Denn nicht an deinem Haß, am Grund ist mir gelegen."

Gotthold Ephraim Lessing, Sinngedichte, 1753-1771.

Wer die Gründe erfahren will, braucht nicht zu hassen. Wer die Gründe erblickt hat, kann sie anderen vermitteln. Die Vermittlung konstituiert einen neu kultivierten alltäglichen Zusammenhang. Die entspannte Konzentration auf das Wesentliche schafft eine erträgliche Welt. Erkenntnis verbündet sich dieserart mit der Gestaltung.

5) Heiterkeit

"Warum kann einem ein andrer den Hut nie richtig aufsetzen? Immer müssen wir noch mal dran ruckeln."
Kurt Tucholsky, "Schnipsel", 1932.
Nutzen oder Schaden: ist dies keine Alternative?
Da kann einer sich noch so viel Mühe geben, wir nehmen ihm das Wohlmeinende, gar Wohltuende, nicht ab. Der Hut gehört uns. Der Kopf ist lediglich Träger.
Wem gehört der Anblick?

Golnar Sepehrnia, Olaf Walther


Veröffentlicht am Sonnabend, den 1. Januar 2005, http://www.harte--zeiten.de/dokument_333.html