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Wer ist hier verstrahlt?

„Die Geschichte der Atomwaffen wird ein Ende haben und es liegt an uns, welches Ende sie haben wird. Wird es das Ende der Atomwaffen sein, oder wird es unser Ende sein? Eines von beiden wird geschehen.“
Beatrice Fihn, Nobelpreisrede, Oslo, 10.12.2017, www.kurzlink.de/ican-rede.

Am 10. Dezember 2017 wurde in Oslo der Friedensnobelpreis an die Internationale Kampagne für die Abschaffung der Atomwaffen (ICAN) verliehen. Das Bündnis von fast 500 Organisationen brachte über jahrelanges Engagement hervor, daß 122 Staaten im Juni 2017 in der UNO einen Nuklearwaffenverbotsvertrag beschlossen haben. (Die Bundesrepublik Deutschland gehört noch nicht dazu.) Die Preisverleihung wurde auch ins Hauptgebäude der Uni Hamburg übertragen. Denn auch hier sind viele Friedensbewegte in Wissenschaft und weiterer Gesellschaft aktiv. Und es sollten mehr werden!

In ihren Reden verdeutlichten die beiden Nobelpreisempfängerinnen: Die Abrüstung der Atomwaffen ist eine aus humanitären Gründen gebotene Notwendigkeit; eine ganz neue Qualität menschlichen Zusammenlebens auf dieser Welt kann dadurch ermöglicht werden, frei von der größten von Menschen organisierten (und von Menschen beendbaren) Ohnmacht und Angst.

Setsuko Thurlow, die selbst als 13-jähriges Mädchen die Explosion der Atombombe über Hiroshima überlebte, erinnerte: „Jeder Mensch, der getötet wurde, hatte einen Namen und jemanden, der ihn geliebt hat.“ Sie führte aus: Atomwaffen geben uns keine Sicherheit; sie verseuchen Land und Wasser, vergiften unsere Körper und nehmen unser Recht auf Leben als Geisel. Ein Atomkrieg hätte den Tod von unzähligen Menschen zur Folge; Milliarden Menschen würden verhungern, weil Staub und Dreck die Atmosphäre jahrzehntelang verdunkelten.

Deshalb ist die Weigerung, Atomwaffen als feste Größe in unserer Welt zu akzeptieren, die einzig rationale Entscheidung.

Eine Welt ohne Atomwaffen ist die einzige Zukunft, die möglich ist; die einzig vernünftige Handlungsweise ist, sich gegen Bedingungen zu wenden, unter denen unsere gegenseitige Zerstörung „nur einen impulsiven Wutanfall entfernt“ ist, wie die ICAN-Generalsekretärin Beatrice Fihn in ihrer Rede betonte.

Die Angst vor dieser Bedrohung ist rational. Die Entscheidung zwischen duldendem Erleiden und veränderndem Engagement macht den Unterschied zwischen Verdrängung und Verzweiflung und andererseits Hoffnung aus. Das Engagement für eine atomwaffenfreie Welt hat zudem weiterführende Motive: Es geht auch darum, riesige Ressourcen wissenschaftlicher, technologischer und finanzieller Art für eine menschenwürdige Welt frei zu bekommen. Es geht darum, die Schäden, die bereits heute durch nukleare Aufrüstung, Atombombenabwürfe und -tests und nukleare Energiegewinnung angerichtet wurden, so weit wie möglich zu heilen. Außerdem sollte Politik – also die planvolle Entwicklung der Welt – nicht ein System der Einschüchterung und Erpressung, sondern eine wirklich demokratische Angelegenheit sein, auch im internationalen Maßstab.

Wer also weder wahnsinnig ist noch den eigenen Untergang plant, sondern in Frieden leben will, wird sich der Fortsetzung und Steigerung atomarer Bewaffnung widersetzen. Organisiert und aufklärerisch aktiv sind wir – die Bevölkerung – die Alternative zu einer Politik ohne Zukunft. Sinnvolle Ziele dieses Engagements sind die Beendigung der „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands im Rahmen der NATO, der Abzug der hier stationierten US-Atomwaffen und der Beitritt zum UN-Vertrag zur Ächtung aller Atomwaffen. In diese Richtung weist auch die aktuelle Kampagne der Friedensbewegung „Abrüsten statt Aufrüsten“ (s.u.). Ihre Kernbotschaft ist: „Militär löst keine Probleme. Schluss damit. Eine andere Politik muss her.“ Die Perspektive, für die abgerüstet werden soll, ist darin umrissen mit „Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, öffentlichem Nahverkehr, kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung, ökologischem Umbau, Klimagerechtigkeit und internationaler Hilfe zur Selbsthilfe“. Durch Nachdruck und Beteiligung: eine gute Sache!

„Abrüsten statt aufrüsten!“-Unterschriftenlisten unter: www.abruesten.jetzt.

Informationen zum Nuklearwaffenverbotsvertrag und eine Unterschriftensammlung dafür, daß sich auch die Bundesrepublik dem Vertrag anschließt, gibt es unter www.nuclearban.de.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Mittwoch, den 10. Januar 2018, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1385.html