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Die Universität als Ganze entwickeln

Stellungnahme des AStA der Uni Hamburg zur Diskussion um eine Neugliederung der Fakultäten

„Im fächerübergreifenden Zusammenwirken ihrer Mitglieder und Organe entwickelt und vermittelt die Universität wissenschaftliche Methoden, Ergebnisse und Qualifikationen. Die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder beruht auf Information und Transparenz, demokratischer Beteiligung und dem Willen zur Konfliktlösung.“
Aus dem Leitbild der Universität Hamburg.

Die Universität ist eine körperschaftliche Einheit von Forschung, Lehre, Studium, Verwaltung und Selbstverwaltung; sie ist eine wissenschaftliche Einheit von großer fachlicher Bandbreite. Sie ermöglicht in interdisziplinärem Zusammenwirken das Weltganze zu erfassen und zu verändern.

Als Teil der nun vollends gescheiterten unternehmerischen Zurichtung der Universitäten sind 2005 knapp 20 Fachbereiche in 6 Fakultäten zusammengefasst worden. Dies entsprach dem Willen der damaligen CDU-Landesregierung, die Universität in sechs „Schools“ zu zerschlagen. Diese sollten in einem losen Zusammenhang gegeneinander und mit den anderen Hamburger Hochschulen konkurrieren. Unterhalb der Fakultätsebene wurde demokratische Mitbestimmung gesetzlich verboten.

Gegen die Irrationalität dieser Politik hat es viel demokratischen Widerstand gegeben. Die Fakultäten wurden mit großer, konfliktregulierender Anstrengung gebildet. Deshalb haben sie fast alle weiterhin Fachbereiche und z.T. Institute, in denen Gruppenbeteiligung in Gremien auch vermittels der Grundordnung der Universität gewährleistet sein muss. Allerdings fehlen diesen Einheiten (z.B. den Fachbereichsvorständen) eine echte demokratische Legitimation sowie die Souveränität, wirksame Beschlüsse (z.B. zur Haushaltsplanung, Studienreform, Berufungen) fällen zu können.

Die derzeitigen Fakultäten sind zu groß und zu fachfern, um eine wirklich demokratische Partizipation bei der Entwicklung von Studiengängen und Lehrplanung, bei Berufungen oder der Haushaltsplanung zu ermöglichen. Andererseits können sie die uniweite Entwicklung nach gemeinsamen wissenschaftlichen, ethischen und sozialen Maßstäben (z.B. in der Studienreform) nicht gewährleisten. Dafür ist nur die gesamtuniversitäre Ebene, insbesondere der Akademische Senat, geeignet.

Die Uni-Versammlung am Mittwoch, den 24.4. im Audimax hat gezeigt: Jedes Argument gegen die bestehenden Fakultäten ist nur ein Argument gegen die hierarchische „Fakultäts“-Struktur. Es kommt auf Demokratie und Transparenz in einem sinnvollen Gleichgewicht von dezentraler, fachnaher Selbstverwaltung und allgemeiner, universitärer Verantwortung an. Dies muss neu konzipiert und erkämpft werden. Vorrangig ist die Überwindung des Mangels und dafür auch der Unkultur von Konkurrenz und Machtpolitik zwischen Fächern oder Fakultäten sowie im Verhältnis von Präsidium und Fakultäten.

Infolge des „Experten-Gutachtens“ zum „Zukunftskonzept Universitätsentwicklung“ ist eine formalistische und abgehobene Diskussion über eine mögliche Neugliederung der Fakultäten entbrannt. Sie lenkt von zwei zentralen Erfordernissen der Hochschulentwicklung ab:

  1. dem gemeinsamen Kampf für eine bedarfsgerechte öffentliche Finanzierung - in Überwindung der „Logik“ der Schuldenbremse,
  2. der Demokratisierung und insbesondere der offiziellen Wiedereinführung einer demokratischen Selbstverwaltung auf Fächerebene (3. Ebene).

Die Grundlage jeglicher Strukturdiskussion dürfen nicht Machtpolitik und Geldinteressen sein - sondern nur die Frage, wie Forschungs- und Lehrzusammenhänge und Partizipation sinnvoll gebildet werden können.

Der AStA fordert daher alle universitären Akteure auf, die wirklichen Probleme der Universität kooperativ zu lösen. Das heißt,

  • den Kampf um die Zukunft als solidarische Aktivität für die bedarfsgerechte öffentliche Hochschulfinanzierung wieder aufzunehmen,
  • nachdrücklich politisch für eine Aufwertung der gewählten Gremien, die Abschaffung des Hochschulrats und die Einrichtung einer dritten Ebene mit demokratischen Gremien einzutreten,
  • die Studienreform als Herausforderung zur produktiven argumentativen Verständigung über die gesellschaftlichen Aufgaben der Universität für die Weiterentwicklung der Wissenschaften zu nutzen.
Veröffentlicht am Montag, den 29. April 2013, http://www.harte--zeiten.de/dokument_1203.html