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Gesellschaftskonversion

,,Thomas de Maizière: Menschlich gesehen ist ein solcher Tod immer sinnlos. Doch manchmal erreicht man Erfolge nur, wenn letzte Mittel eingesetzt werden. Dann erhält auch der Tod eines Soldaten wieder einen Sinn.“
Frankfurter Allgemeines Sonntagszeitung, ,,Guttenberg nicht so wichtig nehmen“, 4.12.2011.

Krieg ist ein Geschäft. Die Rüstungsexporte der BRD sind im Jahr 2010 um 58 Prozent von 1,3 auf 2,1 Mrd. Euro gestiegen. Die Bundesregierung fordert derzeit bei der EU-Kommission, die Exportkontrollen weiter zu schwächen. Das Banken-okkupierte Griechenland wurde von der EU - maßgeblich Deutschland - gezwungen, wegen fehlender neun Prozent im Haushalt Löhne und Solidarsysteme zusammenzustreichen, den Militärhaushalt von vierzehn Prozent aber unangetastet zu lassen. (Subventionierte) Rüstungsexporte, Krieg und Lohndrückerei bilden die lukrative Einheit rechter Politik. Dafür konstruiert Schwarz-Gelb den Rüstungskonzernen den ,,Sinn“ des Heldentodes.

Ohne dieses Geschäft wäre die menschliche Gesellschaft ärmer an Gewalt und insgesamt reicher: Allein der Militärhaushalt der BRD beträgt 35 Mrd. Euro, womit sozial Vernünftiges finanziert werden könnte - ganz ohne nationale Beschränkungen. (Zum Vergleich: der Haushalt von Afghanistan beträgt etwas über eine Mrd. Euro).

Nein, es gibt keinen Staat, keine ,,Freiheit“, keinen Way of life für den es sich in Afghanistan zu sterben lohnt. Das einzige, was es dort nach 10 Jahren Krieg gibt, ist die dringende Notwendigkeit des Aufbaus, des Friedens.

,,Und alle Lokomotiven fahren nach der neuen Stadt. Und die neue Stadt, das ist die Stadt, in der die weisen Männer, die Lehrer und die Minister, nicht lügen, in der die Dichter sich von nichts anderem verführen lassen, als von der Vernunft ihres Herzens, das ist die Stadt, in der die Mütter nicht sterben und die Mädchen keine Syphilis haben, die Stadt, in der es keine Werkstätten für Prothesen und keine Rollstühle gibt, das ist die Stadt, in der der Regen Regen genannt wird und die Sonne Sonne, die Stadt, in der es keine Keller gibt, in denen blaßgesichtige Kinder nachts von Ratten angefressen werden, und in der es keine Dachböden gibt, in denen sich die Väter erhängen, weil die Frauen kein Brot auf den Tisch stellen können, das ist die Stadt, in der die Jünglinge nicht blind und nicht einarmig sind und in der es keine Generäle gibt, das ist die neue, die großartige Stadt, in der sich alle hören und sehn und in der alle verstehn: mon coeur, the night, your heart, the day, der Tag, die Nacht, das Herz.“
Wolfgang Borchert, ,,Im Mai, im Mai schrie der Kuckuck“, 1947.

Fragen wir also nach Energie- und Wasserversorgung für alle statt nach Aufklärungsdrohnen. Forcieren wir aufgeklärten Journalismus statt flache Propaganda. Ermöglichen wir dauerhafte Gesundheit statt reparierender Medizin. Nutzen wir unsere gesellschaftliche Macht über die natürliche Umwelt vernünftig. Suchen wir die wirtschaftliche Kooperation anstelle der Standortkonkurrenz. Ermuntern wir zur Demokratie statt Regierungen ,,kritisch“ zu betrachten. Fördern wir das Verständnis verschiedener Kulturen anstatt überlegene Kundschafterei. Lernen und lehren wir Solidarität statt ,,Klar kommen“. Begreifen wir Zusammenhänge anstatt sie nur zu beschreiben.
Es gibt viele sinnvolle und mögliche Beiträge der Universität zur Konversion der Kriegs- in eine Friedensgesellschaft.
Kein Gedanke und kein Euro für das Leben ist je verschwendet.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 12. Dezember 2011, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1080.html