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Für bessere Zeiten: Erinnerung!

Zum 73. Jahrestags der Reichspogromnacht

Auf Antrag von Liste LINKS, harte zeiten - junge sozialisten und dem Fachschaftsbündnis hat das Studierendenparlament am 27. Oktober 2011 folgenden Aufruf beschlossen:

„Besonders sieht man die Ähnlichkeit aller mit sich selbst. Man beruft sich nicht auf seine Herkunft. Im Durchschnitt sind alle, wie sie geboren werden, mehr verwandt als fremd. Die lebenslange Bemühung entscheidet.“
Heinrich Mann, „Gut geartete Menschen“, 1932.

Am 9. November jährt sich zum 73. Mal die Reichspogromnacht. Das Studierendenparlament ruft aus diesem Anlaß die Mitglieder der Universität auf, an der Mahnwache auf dem Joseph-Carlebach-Platz teilzunehmen.

Am 9.11.1938 wurde in unmittelbarer Nähe zur Universität und unter den Augen ihrer Mitglieder die Synagoge am damaligen Bornplatz (heute: Joseph-Carlebach-Platz) geschändet. Das „reichsweit“ organisierte Pogrom war der Übergang der faschistischen Diktatur in den offenen, räuberischen Krieg und in die systematische Vernichtung großer Teile der europäischen Bevölkerung. Vorausgegangen waren dem, Terror und Entrechtung gegen bürgerliche Humanisten, Linke und vermeintlich „fremdrassige“ Menschen - auch an der Universität.

Der Antisemitismus der Nazis war der rassistische Vorwand zum Raub jüdischen Eigentums, zum Angriff auf humanistische Kulturtraditionen und diente dazu, der Bevölkerung einen Sündenbock für die tiefe Krise der Gesellschaft vorzuhalten. Mit der ideologischen Herabsetzung einer Bevölkerungsgruppe wurde der Weg zu Mord und Zerstörung geebnet, die 60 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg das Leben kosteten.

Die Befreiung von dieser Geißel gelang einzig durch die grenzenüberschreitende Verständigung aller Nazi-Gegner. In der UNO-Menschenrechts-Charta von 1948 ist als gemeinsame Schlußfolgerung der Anspruch formuliert, in internationaler Kooperation soziale Bedingungen zu schaffen, in denen alle Menschen - frei von Not und Furcht, in Würde und Demokratie - zum Gedeihen einer friedlichen Welt beitragen. Diese Verneinung von Gewalt und Ungleichheit ist die Bejahung des Menschen durch die Solidarität. Dies ist im Angesicht des gegenwärtig enormen Gegensatzes von Reichtum und Produktivität einerseits sowie Elend und Krieg andererseits aktuell erkenntnis- und handlungsleitend. Die Verfaßte Studierendenschaft der Universität Hamburg erkennt aus dieser Geschichte ihre Aufgabe, durch couragierte Aufklärung, mit dem Engagement für Bildung für Alle, durch kritische Wissenschaft und als Teil internationaler studentischer Bewegung für Bedingungen zu wirken, die Krieg und Elend aus dem menschlichen Zusammenleben bannen.

Kundgebung
„Erinnerung und Mahnung“

An diesem Ort wurde im faschistischen Deutschland am 9. November 1938 die Bornplatz-Synagoge angezündet.

Joseph-Carlebach-Platz (Grindelhof)
Mittwoch, 9. November 2011, 15.30 bis ca. 17.00 Uhr

Veranstalter: VVN-BdA, Jüdische Gemeinde Hamburg, Universität Hamburg

Es sprechen:
— Maria Jepsen, frühere Bischöfin von Hamburg-Lübeck,
— Norma van der Walde, VVN-BdA Hamburg,
— David Rubinstein, Beiratsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hamburg,
— Prof. Dr. Rainer Nicolaysen, Universität Hamburg, Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte,
— Wolfgang Rose, Landesbezirksleiter ver.di (Landesbezirk Hamburg),
— Kantor Arieh Gelber: „El Male Rachamin“, jüdisches Gedenkgebet

Moderation: Traute Springer-Yakar, VVN-BdA Hamburg

Unterstützer: Auschwitz - Komitee Hamburg, Bürgerinitiative Grindelhof, Mechadasch Hamburg (Gedenk- u. Bildungsstätte Israelitische Töchterschule u. Arie-Goral-Sternheim- Gesellschaft e.V.), PAX Christi Hamburg, Stadtteilschule Altrahlstedt, ver.di Landesbezirk Hamburg.

Veröffentlicht am Donnerstag, den 27. Oktober 2011, http://www.harte--zeiten.de/dokument_1066.html