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Lernen ist kein Fehler

,,Das System funktioniert unter der Bedingung, daß der einzelne bei seiner Teilnahme an sozialen Prozessen bereit und willig sein muß, sich Änderungen anzupassen und Konventionen zu unterwerfen, die nicht das Ergebnis vernünftigen Planens sind.“
Friedrich von Hayek, Begründer der neoliberalen Theorie, 1948.

Klaus von Dohnanyi (SPD), so heißt es in der Hamburger Presse, könne als Streitschlichter zwischen Hochschulen und Senat berufen werden. Doch aus dem Bock wird nie ein Gärtner.

Der ehemalige Bürgermeister hat sich im Jahre 2003 von dem Schill-CDU-FDP-Senat vor dessen hochschulpolitischen Karren spannen lassen. Das gemeinsame Dritte zwischen rechtem Senat und dem Spezialdemokraten war, der Handelskammer zu gefallen.

Dohnanyi leitete eine Gutachterkommission, besetzt mit Kapitalvertretern von Schering bis Bertelsmann, die Empfehlungen zur Unterwerfung der Unis unter kommerzielles Kommando entwickelte: Forschung, Studieninhalte und Studierendenzahlen sollten an den vom Senat festgelegten Wirtschaftsschwerpunkten ausgerichtet werden (Luftfahrt, Hafen/Logistik, ,,Welthandel/China“, IT/Medien, ,,Lifescience“, Nanotech).

Die Ideologie: Bildung erhöhe den Wert von ,,Humankapital“, das sich durch universitäre Qualifikation besser am Arbeitsmarkt verkaufen könne und den Wirtschaftsstandort stärke. Studierende seien Kunden, die beim Dienstleistungsanbieter Hochschule als Nachfrager auftreten (Studiengebühren). Getreu neoliberaler Mystik hätte sich also jeder und jede bewußtlos einer marktförmigen Gesellschaft zu ergeben.

Diese Konzeption ist auf erheblichen humanistischen Widerstand gestoßen. Und sie ist rundum gescheitert. Die Krise der Hochschulen wie die Krise der Gesellschaft hat in solcher Verherrlichung des pur Geschäftlichen ihren Ausgangspunkt, denn die Verwirtschaftlichung des Menschseins behindert jede bewußte, kooperative, sozial vernünftige und weitblickende Erkenntnis und Produktivität.

Im Übrigen hat dieser gefährliche Unfug den Hochschulen die kaufmännische Buchführung, die teuren und wissenschaftsfernen Verwaltungs-Softwares SAP/ R3 und STiNE, die ,,leistungsorientierte“ Besoldung, den Drittmittelwahn, das bürokratische Ba/Ma-System, die Hierarchisierung von Verwaltung, die Aufblähung des leitenden ,,Managements“, die Studiengebühren und mit alledem auch eine Menge hinderlicher Administration beschert, die zu Lasten von Studium, Lehre und Forschung naher Verwaltung politisch erzwungen wurde. Die Hochschulen bekamen keinen Cent mehr dafür. Darüber kann die Rede von aufgeblähter Verwaltung, zweckfreier Wissenschaft, rentensüchtigen Professoren, faulen Studenten, des Parlaments als Schwatzbude und der außerparlamentarischen Opposition als Klamauk nicht hinwegtäuschen; sie kommt vom Ramschtisch des Rechtspopulismus und ist das ranzige Schmiermittel neoliberaler Politik.

Auch um diese Schäden zu beseitigen und kritische, kooperative und humanistisch engagierte Wissenschaft und Bildung in demokratischen Strukturen neu zu ermöglichen, müssen die Hochschulen sämtlich besser ausgestattet werden. Diese Ambitionen finden im fortgesetzten engagierten Eingreifen der Hochschulmitglieder
- im solidarischen Verbund mit Kulturschaffenden und sozial Engagierten - Ausdruck. Das gemeinsame Dritte sei: Frieden und Emanzipation. In der Kontroverse mit der offiziellen Politik und der Handelskammer sind menschenwürdige Lebensverhältnisse zu gewinnen.

V.i.S.d.P.: Golnar Sepehrnia, Schützenstr. 57, 22761 Hamburg.
Herausgegeben von: harte zeiten - junge sozialisten & fachschaftsaktive an der Universität Hamburg.
Veröffentlicht am Montag, den 27. Juni 2011, http://www.harte--zeiten.de/artikel_1047.html